Segel-Knigge
Wie grüßt ein Skipper von Welt ein anderes Schiff auf See? Wie begegnet er Einheimischen auf den Fidji-Inseln? Was gehört zum guten Ton an Bord? Augenzwinkernd und mit humorvollen Illustrationen vermittelt dieser Knigge die Benimmregeln für den Umgang mit Seglern.
Wolfgang Webers Buch ist im September 2005 beim BLV-Verlag erschienen und kostet € 14.95. Sechs Jahre Erfahrung eines Weltumseglers auf 98 Seiten zusammengetragen, laden ein zum Lachen, Wundern und Staunen was es auf dieser Welt noch alles kennenzulernen gibt.
Einen kleinen Auszug veröffentlichen wir exklusiv vorab:
- Die Regattacrew
… Das Verhältnis zweier oder mehrerer Erwachsene im gleichen Boot leidet u.U. unter einer ähnlichen Konstellation: Der Eigner/Kommandogeber/Rudergänger sitzt achtern an der Großschot und Pinne, und der (meistens leider immer noch die!) Partner(in)/Vorschoter(in),Befehlsempfänger(in) sitzt vorne an den Fockschoten und lässt seine Wutausbrüche und Schuldzuweisungen über sich ergehen. Wenn das so klappt und seit Jahren eingespielt ist – bitte, aber gutheißen muss man das ja trotzdem nicht: Wenn ein Teil diese Paares den Sport erduldet, dann gehen auf Dauer nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern geht auch die Beziehung als Ganzes auf Talfahrt. Ehemänner sollten den Mut haben, ihre Lebens- und Regattapartnerinnen mal ganz ehrlich zu fragen: „Segelst du eigentlich gerne mit mir?“ Und wenn dann bei der Antwort nur ein kleines bisschen gezögert wird, dann muss was geändert werden. Meistens sinkt die Stimmung an Bord, weil der Steuermann der Meinung ist, dass sein(e) Vorschoter(in) irgendwas falsch oder nicht schnell genug gemacht hat. Der Grund dafür kann logischerweise nur sein, dass die beiden entweder nicht auf dem gleichen Kenntnisstand oder dem gleichen Fitnessgrad sind.
Um den gleichen Kenntnisstand zu erreichen, müsste der Vorschoter das Segeln besser lernen. Der eigene Partner ist aber oft ein schlechter oder unwilliger Ausbilder! Diese Rolle muss ein Außenstehender übernehmen, entweder der Sportwart, oder SegelkameradInnen im Partnertauschverfahren mit einem befreundeten Schiff. Gut ist auch, wenn mal die Vorschoter das eine und die Steuerleute das andere Schiff übernehmen, also nicht nur die Partner, sondern auch die Rollen getauscht werden! Der Lerneffekt für alle wird riesig sein! Am schönsten ist es natürlich, das Segeln von Anfang an gemeinsam zu erlernen, achten Sie aber darauf, dass bei keinem der Partner ein Wissens- oder Könnesvorsprung entsteht!
Mangelnde Fitness kann durch eine Alternativsportart verbessert werden. Es ist wohl nur fair, wenn der/die Vorschoter/in die Trainingssportart für beide bestimmt. Und wenn das Jazztanz sein soll, dann muss der Steuermann eben auch mal in diesen sauren Apfel beißen!
Last, but not least: Bei vielen Regattajollen ist der Gewichtstrimm viel besser, wenn das Heck entlastet wird und der größere, langbeinigere, schwerere Teil der Mannschaft im Trapez steht. Und das ist ja wohl im Normalfall der Mann!! Und im Gegensatz zu den Fockschoten kann man in die Großschot ganz leicht eine Untersetzung extra scheren, damit sie leichter läuft…
- Traumziel Südsee
…Auf den kleineren Südseeinseln leben die Menschen in stammesähnlichen Dorfgemeinschaften, und zum Dorf gehören immer auch der Ankerplatz und das Riff. Deshalb müssen Segler sich nach dem Ankern beim „Chief“ melden und um Ankererlaubnis bitten. Dabei geht es hauptsächlich darum, sich ein wenig kennen zu lernen, nach polynesischer Tradition muss man der Dorfgemeinschaft von der eigenen Heimat und von der Reise erzählen, bevor man als Gast das Recht erhält, das Dorf zu betreten. Auf den abgelegenen Inseln der Fiji-Gruppe wird der Häuptling zu diesem Zweck eine Kava-Zeremonie abhalten, als Gastgeschenk sollte die Yacht ein Büschel Kava-Wurzeln (kann man in Suva oder Lautoka auf dem Markt kaufen!) mitbringen.
Nach der Reisebeschreibung wird eine Schale mit Kava, also Wurzelsud aus dem Pfefferstrauch, herumgereicht. Wer mit dem Trinken an der Reihe ist, klatscht drei Mal möglichst dumpf in die Hände, schlürft den Inhalt möglichst komplett, reicht die Schale zurück und klatscht abschließend einmal dumpf, denn große Hände bedeuten viel Kraft.
Nach der meist recht schönen Zeremonie darf sich die Crew frei im Dorf bewegen, dieses Privileg haben normale Touristen, die z.B. eine Tagesausflug von einem Hotelresort aus machen, übrigens nicht!
